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Projekt Cover - Anja Badners, Silke Rath

© Foto Ulf Wiechmann

INTERVIEWREIHE –  PANDEMIEERFAHRUNGEN – Folge 2

COVER – ein partizipatives Kunstprojekt, das positive Impulse setzt

Die nun schon bald zwei Jahre währende Pandemie hat sich massiv auf unser aller Alltag ausgewirkt. Das öffentliche Leben wurde zeitweise ausgesetzt. Malkurse und -workshops und Ausstellungen konnten nicht stattfinden. Homeschooling und Homeoffice der Partner:inne haben das Alltagsleben z.T. stark auf die Probe gestellt.

Wir möchten mit dieser Serie unsere Kursanbieterinnen und Kursanbieter erzählen lassen, wie sie die Pandemie erlebt haben. Uns interessiert natürlich insbesondere, wie sich die Pandemie auf ihre Kunst oder ihre Malschule ausgewirkt hat. Welche Rückschläge galt es auszuhalten und welche neuen Impulse sind entstanden?

In dieser Folge sprechen wir mit Anja Badners und Silke Rath über ihr partizipatives Kunstprojekt COVER, in dem es darum geht, wie jede:r Einzelne mit den Einschränkungen und Widrigkeiten in dieser Situation umgeht, woraus Zuversicht entsteht und trotz allem Zusammenhalt spürbar ist. 

Unsere Gesprächspartnerinnen kurz vorgestellt

Anja Badners, Pinneberg
1974 geboren, schloss 2002 ihr Studium an der AMD- Akademie Mode Design Hamburg ab und beschäftigt sich seit 2006 intensiv mit bildender Kunst, sowohl autodidaktisch als auch u.a. durch Teilnahme an der Sommerakademie Pentiment oder an der EKA Trier. Ihre Arbeiten waren bereits in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen vertreten, Mitgliedschaftschaft im Kulturwerk SH e.V. und BBK Schleswig-Holstein. www.anjabadners.de

Silke Rath, Hamburg
1976 geboren, Studium der Archäologie in Hamburg und La Coruña, Studium der
Bildenden Kunst an der FH Hannover und an der Muthesius Kunsthochschule Kiel bei U. Baehr, B. Garbert, W. Bulla und P. Nathan. In zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen ist Silke Rath seit vielen Jahren im In- und Ausland im künstlerischen Austausch. Ihre Arbeit wurde durch unterschiedliche Stipendien gewürdigt. Zuletzt waren ihre Werke u. a. in der Galerie-JPG in Marburg, im Kunsthaus Hamburg und im UBO9 in München zu sehen. Mitgliedschaft im BBK Hamburg. www.silkerath.de

Die beiden arbeiten seit Oktober 2020 in einem gemeinsamen Atelier.

Das Interview

kukundo: Wir möchten mit der gleichen Frage wie beim ersten Interview mit Stephanie Bahrke starten: Seht ihr euch als Corona-Gewinnerinnen oder -Verliererinnen?

SR: Diese Frage lässt sich nicht mit „schwarz oder weiß“ beantworten. Es ist doch so, dass auch in den vergangenen Monaten mit all ihren schweren Momenten immer wieder die bunten Augenblicke da waren. An diesem Punkt knüpft übrigens das Projekt COVER an.

AB: Diese Einordnung finde ich schwierig, das sind so absolute Begriffe… also weder-noch. ..und die Pandemie ist noch nicht vorbei.

kukundo: Wie habt ihr persönlich den Beginn der Pandemie erlebt?

SR: Vermutlich wie viele andere auch – überrascht, besorgt und mit der Hoffnung, dass es in absehbarer Zeit wieder vorbei ist.

AB: Wie stark und langfristig die Pandemie uns beeinträchtigen wird, konnte ich mir damals nicht vorstellen!

kukundo: Ab wann und in welcher Form hatte die Pandemie Auswirkungen auf euer künstlerisches Schaffen?

SR: Ganz konkret: die Pandemie hat Anja und mich zusammengeführt, denn die unmittelbare Folge von Homeschooling & Co war, dass ich mein häusliches Atelier nicht mehr in der Form nutzen konnte, wie ich es gewohnt war und einen externen Arbeitsplatz gesucht habe. So bin ich in Schenefeld bei Anja gelandet. Indirekt: Die Erfahrung aus den vergangenen 1,5 Jahren beeinflusst ganz sicher auch meine Arbeit inhaltlich, obwohl ich mich nicht gezielt mit diesen Themen künstlerisch auseinandersetzte. Unser Projekt COVER hingegen ist eine direkte Folge der Pandemieerfahrung.

AB: Ich bin sehr froh, dass ich an Silke untervermieten konnte, ich hatte inseriert, aber hatte in dieser Zeit nicht viel Hoffnung, dass es klappt. Der künstlerische Austausch miteinander und auch über die Situation in der Pandemie ist besonders wertvoll und führte dann zu unserem gemeinsamen Projekt. Persönlich betreffen mich Ausstellungsabsagen und -verschiebungen, Kursabsagen. Inhaltlich habe ich viel experimentiert und mich auch mit einem neuen Thema auseinandergesetzt.

Worum geht es in dem Projekt COVER?

ABDurch einen Aufruf zur Teilnahme laden wir alle Freunde*innen der Kunst ein, sich mit persönlichen Botschaften, Fragen und Gedanken der Zuversicht, Zukunftswünschen und auch positiven Erfahrungen aus der Pandemiezeit zu beteiligen. Notierte, skizzierte, gezeichnete, gemalte oder anderweitig gestaltete Beiträge auf Stoffquadraten mit den Abmessungen 25 cm x 25 cm nehmen wir entgegen und verarbeiten sie zu einem Gesamtobjekt.

Aus den eingereichten Stoffstücken lassen wir durch Vernähen die Arbeit „COVER“ entstehen, einen symbolischen Schutzort, der behüten, stärken und schützen kann, Zuversicht gibt und die Verbindung mit anderen spürbar und sichtbar macht, aus dem heraus neue Ideen für jeden Einzelnen sowie für die Gesellschaft entstehen können. Begleitend lesen wir schriftliche Botschaften und Notizen der Beiträge ein und verarbeiten diese zu einer Klangcollage um „COVER“ auf einer weiteren Ebene erfahrbar werden zu lassen.

kukundo: Wie viele Menschen haben schon mitgemacht?

SR:  Inzwischen sind über 100 Beiträge bei uns eingegangen – und wir freuen uns, wenn diese Zahl noch gewaltig wächst.

Silke Rath (li) und Anja Badners (re) mit einem Modul der Arbeit COVER, © Foto Ulf Wiechmann

kukundo: Wie seid ihr auf die Idee zu COVER gekommen?

SR: Die Idee entstand aus intensiven Ateliergesprächen und dem Bedürfnis heraus, der überwiegend negativen Berichterstattung einen positiven Kontrapunkt entgegenzusetzen.

AB: Vor ca. einem Jahr wurden wir für einen lokalen Zeitungsartikel zum Thema der Lage der Kunstschaffenden in der Pandemiezeit befragt. Für uns stellte sich hierbei heraus, dass wir trotz aller Einschränkungen und Schwierigkeiten den Blick auf kreative, positive und zuversichtliche Ansätze richten möchten und trotz Isolation die Verbindung zu anderen nicht verlieren möchten.

kukundo: Lassen sich die eingesandten Arbeiten inhaltlich clustern, d.h. gibt es thematische Schwerpunkte, in dem was die Teilnehmenden berührt und was sie zum Ausdruck bringen?

AB: Durch das Thema ergibt sich, dass es sehr individuelle und persönliche Beiträge sind, die wir durch das Werk COVER zusammentragen, aber nicht weiter analysieren. 

kukundo: Gibt es Arbeiten oder Erlebnisse, die euch besonders berührt/inspiriert haben?

SR: Jeder einzelne Beitrag zu COVER ist für uns etwas Besonderes. Wir möchten da auch keinen hervorheben, da alle Arbeiten ganz persönliche Blicke auf die Situation zeigen. Schön war die Zusammenarbeit mit der Grundschule Heidacker, bei der eine 4. Klasse ein eigenes Modul gestaltet hat. Es ist berührend, die Gedanken der Kinder zu sehen/lesen, da sie in dieser Pandemie ja ein besonders schweres Los tragen.

AB: Wir freuen uns über jeden neuen Beitrag. Es gibt aber auch einige Teilnehmer*innen, von denen wir wissen, dass sie gerade auch schwierige persönliche Situationen erleben und ihre zuversichtlichen und positiven Gedanken durch einen Beitrag zu COVER mit uns teilen. Das berührt uns sehr und freut uns besonders. Hinsichtlich der Bewältigung der Situation sind die Beiträge im Sinne des Projekts auch für uns selbst Inspiration, die wir durch das Gesamtwerk mit anderen teilen.

kukundo: Gab es Künstler:innen, die negativ auf euren Aufruf reagiert haben?

SR: Nein, wir haben bisher ausschließlich und sehr viel positives Feedback erhalten.

kukundo: Auf euren Websites ist zu lesen, dass COVER durch den Kreis Pinneberg gefördert wird. Wie dürfen wir uns das vorstellen?

AB: Wir haben im Rahmen der Kulturförderung des Kreises Pinneberg finanzielle Unterstützung für die Ankündigung, Vorbereitung und Durchführung des Projektstarts und der Präsentation im offenen Atelier erhalten. Darüber hinaus wurde auch eine professionelle Fotodokumentation und ein von der Kunsthistorikerin JPG verfasster Begleittext gefördert.

kukundo: Wisst ihr, wie viel Zeit ihr in dieses Projekt investiert habt?

SR: Viel!
AB: Ja, bei der Zeit kann man wirklich von Investition sprechen.

kukundo: Habt ihr unterschiedliche Aufgabenschwerpunkte im Projekt?

SR: Die meisten Aufgaben im Projekt teilen wir uns –  wobei Anja den Instagram Account betreut und ich mich um die begleitend zum Objekt entstehende Klanginstallation kümmere.

kukundo: Könne Interessierte noch an eurem Projekt teilnehmen?

SR: Da COVER als ein langfristiges und zeitlich wie räumlich unbegrenztes Projekt angelegt ist, ist der Aufruf definitiv noch aktuell und wir freuen uns über jeden weiteren Beitrag, der uns erreicht.

© Foto Ulf Wiechmann

kukundo: Durch welche Aktionen wird das Projekt begleitet?

SR: Wir veröffentlichen alle Beiträge auf Instagram (@projektcover) und dann haben wir das Projekt im Rahmen der offenen Ateliers im Frühling und im Spätsommer vorgestellt sowie im Rahmen der Sommerstadt Marburg in der Galerie JPG, begleitet von einer Mitmachaktion für die Besucher.

kukundo: Gibt es etwas wir nicht gefragt haben, ihr aber noch loswerden wollt?

AB: Wir freuen uns über die viele positive Resonanz und auch das Interesse von kukundo an unserem Projekt, wodurch COVER weiterwächst! Wir feilen gerade an der Präsentation bzw. Installation der bisherigen Beiträge und sind auf der Suche nach passenden Ausstellungsformaten.

kukundo: Vielen Dank für das Interview!
(Die Fragen stellte Petra Gieffers)

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