© Frank Koebsch

INSPIRATION MALREISE:

Die Faszination der Pleinairmalerei an der Ostsee

Von Frank Koebsch | Lesezeit: 10 Minuten

Die Pleinairmalerei, das Malen im Freien, ist eine faszinierende Kunstform, die Künstlerinnen und Künstler seit Jahrhunderten begeistert. In diesem Beitrag möchte ich meine Leidenschaft für die Pleinairmalerei an der Ostsee teilen, etwas zur Geschichte der Pleinairmalerei erzählen sowie Einblicke in meine Erfahrungen, Eindrücke und Empfehlungen geben.

Von drinnen nach draußen: Malen im Winter und die Sehnsucht nach Freiheit

Wenn ich im Februar durch das Fenster in unseren Garten schaue, ist es draußen kalt, nass und grau. Die einzigen Highlights sind die ersten Blüten der Frühblüher. Es ist die Zeit, in der ich gerne zu Hause an einem großen Tisch oder an einer Staffelei bei ganz viel Licht und Platz male, nebenbei Musik höre und einen Espresso trinke. Ich mag es, abends zu malen, wenn die Hektik des Tages vorbei ist, Ruhe einzieht und ich mit meinem Aquarell alleine bin. In dieser Zeit entstehen viele meiner Werke nach Fotos von unseren Reisen und Ausflügen in die Natur. Oft nutze ich auch Fotos von Tieren, die dann im warmen und trockenen Atelier als Grundlage für meine Wild-Life-Aquarelle dienen.

Doch die Nähe zur Ostsee weckt in mir regelmäßig die Sehnsucht nach der Plein Air Malerei.  Ich liebe es, mit den Füßen im Sand zu stehen, das Rauschen der Ostsee zu hören und den Wind, die Sonne und das Salz auf der Haut zu spüren. In diesem Moment kann ich alles um mich herum vergessen und ganz in die Umgebung des Motivs eintauchen.

Die Stimmung und das intensive Erleben der Natur beeinflussen meine Malerei maßgeblich. Hier einige Impressionen meiner Freiluftmalerei an der Ostsee.

Malen am Darßer Weststrand
© Frank Koebsch
Skizzieren von Windflüchtern
© Frank Koebsch
Windflüchter am Müllerweg – Darßer Weststrand © Aquarell vom Frank Koebsch

Geschichte der Pleinairmalerei

Vor fast 200 Jahren verließen einige französische Maler ihre Ateliers und gründeten um 1830 die Schule von Barbizon aus ähnlichen Motiven. Sie zog es hinaus in die Natur, weg vom Grau der mit Kohle und Holz beheizten Städte und der Enge der Ateliers. Sie wollten die Natur mit allen Sinnen erleben und die Motive in einem natürlichen Licht erkunden und malen. Durch das Wirken der Schule von Barbizon um Théodore Rousseau und später der Impressionisten wie Monet, begannen realistische Naturdarstellungen und die Darstellung von Bauern, Landarbeitern und Fischer eine immer größere Rolle zu spielen.

In ganz Europa entstanden in dieser Zeit Künstlerkolonien, die diese Ideen aufgriffen. Im Ostseeraum waren das die Künstlerkolonien in Skagen, Gothmund bei Lübeck, Hiddensee und Ahrenshoop. Wer tiefer die Geschichte der Pleinair-Malerei im Ostseeraum eintauchen möchte, dem seien das Kunstmuseum und das Anchers Hus in Skagen empfohlen, ebenso wie der Kunstpfad in Ahrenshoop mit dem Kunstkaten und dem Museum.

Anchers Hus in Skagen © Frank Koebsch
Blick in die Ausstellung des Anchers Hus
© Frank Koebsch

Die Pleinairmalerei wurde im Laufe der Zeit zu einer Selbstverständlichkeit. Erfindungen wie die Tubenfarben, der Zeitgeist und gesellschaftliche Veränderungen beeinflussten diese Entwicklung maßgeblich. Jedoch beendete der erste Weltkrieg die Blütezeit der Künstlerkolonien. Erfreulicherweise erlebte die Freiluftmalerei eine Renaissance und heute hat die Pleinair-Malerei so viele Anhänger wie nie zuvor.

Künstler treffen sich regelmäßig, um gemeinsam im Freien zu malen und ihre Werke vor Ort auszustellen. Auch Laien nutzen das riesige Angebot an Malreisen, um die Natur als Inspirationsquelle zu nutzen und ihre eigenen Fertigkeiten zu verbessern. Zudem werden nationale und internationale Events, wie Pleinair Festivals organisiert, bei denen sich Künstler aller Erfahrungsstufen treffen, Erfahrungen austauschen und gemeinsam ausstellen.

Was sind die Vorteile und Nachteile der Pleinairmalerei?

Als jemand, der sich regelmäßig der Freiluftmalerei hingibt, kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass die Plein Air Malerei immer wieder ein Wagnis ist. Egal, ob es sich um spontane Ausflüge im Alltag handelt oder um organisierte Malreisen – viele Faktoren müssen perfekt zusammenkommen. Um ein Bild vor Ort zu malen, muss ich ausreichend Zeit und den Kopf frei haben, und natürlich muss auch das Wetter mitspielen. Eine der größten Herausforderungen ist dabei, mit leichtem Gepäck unterwegs zu sein und sich bei der Auswahl der Malutensilien zu beschränken.

Es gibt viele Dinge, die sich beim Malen ereignen können. Ein besonderes Erlebnis, das mir immer in Erinnerung bleiben wird, ereignete sich an einem sonnigen Tag in Warnemünde:

Risiken beim Pleinairmalen © Frank Koebsch

Gemeinsam mit zwei anderen Aquarellisten malte ich am Alten Strom Fischkutter. Ich war mit meinem Aquarell fast fertig und wollte vor den letzten Lasuren das Blatt gut durchtrocknen lassen. Die Zeit nutzte ich zu einem Plausch mit einem Passanten. Das Gespräch war blitzartig vorbei, als eine Möwe auf meiner Staffelei landete und durch die noch feuchten Farben lief. Das Aquarell war nicht mehr zu retten war, aber ich nutzte den Moment für einen Schnappschuss.  Danach begann ich ein neues Blatt, aber irgendwie war der Tag für mich gelaufen. Ich hatte immer das Gefühl, dass das Aquarell, welches die Möwe signiert hatte, das bessere Bild war.

Doch Möwen sind  nicht die größten Risikofaktoren an der Ostsee. Es kann auch vorkommen, dass das Motiv ganz oder teilweise verschwindet, weil Fischer mit dem Kutter rausfahren oder der Wind das Schiff aus der Sichtachse dreht. Meist sind es jedoch Wetteränderungen, die einem das Leben beim Malen vor Ort schwermachen, sei es durch aufziehenden Nebel oder plötzlichen Regen. Ein anderes Mal frischt der Wind stark auf und lässt meinen Farbkasten von der Staffelei fliegen – und immer mit den Farben im Sand. Es gibt auch Böen, bei denen die Staffelei komplett abhebt oder das Aquarell im Wasser landet.

Malen am Strand von Kühlungsborn © Frank Koebsch

Hier sind einige Vor- und Nachteile der Pleinairmalerei im Überblick

Vorteile der Pleinairmalerei

  • Das Motiv wird mit allen Sinnen wahrgenommen, was eine tiefere Verbindung zum Bild schafft.
  • Das Malen bei verschiedenen Wetterbedingungen kann inspirierend sein und neue Herausforderungen bieten.
  • Durch das direkte Erforschen des Motivs mit den Händen lassen sich Struktur und Gewicht besser verstehen.
  • Die Farben und Schatten können in verschiedenen Lichtverhältnissen direkt erforscht werden.
  • Die Mobilität mit leichtem Gepäck ermöglicht Flexibilität und spontanes Malen an verschiedenen Orten.
  • Der Austausch mit Zuschauern kann inspirierend sein und neue Perspektiven bieten.

Nachteile der Pleinairmalerei

  • Die Beschränkung bei der Auswahl der Materialien aufgrund des leichten Gepäcks kann herausfordernd sein.
  • Das Malen in der Öffentlichkeit kann Stress verursachen, insbesondere wenn Passanten Ratschläge geben oder über die Schulter schauen.
  • Die Notwendigkeit, sich dem Wetter anzupassen, erfordert eine Vielzahl von Kleidungsstücken und Zubehör.
  • Sonnenlicht und Wind können das Trocknen von Papier und Farben beschleunigen oder verlangsamen.
  • Regen oder starker Wind können das Malen unmöglich machen oder die Ausrüstung beschädigen.
  • Das wechselnde Licht im Freien kann die Farben und Schatten im Motiv verändern.
  • Es kann schwierig sein, einen geeigneten Ausschnitt des Motivs zu finden.
  • Das Motiv kann sich durch Wetter oder Aktivitäten in der Umgebung verändern.
  • Die Zeit zum Malen ist oft begrenzt.

Die Pleinairmalerei bietet trotz der zahlreichen Herausforderungen entscheidende Vorteile. Die direkte Auseinandersetzung mit der Natur ermöglicht es uns, die Motive in der Landschaft in ihrer Gänze zu erfassen und die Eindrücke unmittelbar in Farbe und Form umzusetzen. Dadurch entstehen in der Regel authentischere Bilder.

Materialempfehlung für Pleinairmalerei

Für die Freiluftmalerei ist es wichtig, mit leichtem Gepäck unterwegs zu sein. Während einige Künstler sich auf kleine Formate in einem Skizzenbuch und einen Farbkasten mit wenigen Farben und einem Wassertankpinsel beschränken, bevorzuge ich das Malen auf größeren Formaten wie 30 x 40 cm oder 36 x 48 cm zu. Diese Größe ermöglicht es mir, die Motive mit ausreichenden Details und Verläufen darzustellen.

Meine Skizzen und Vorzeichnungen erstelle ich mit einem HB-Bleistift. Zum Malen nutze ich einen Aquarellkasten mit 24 große Näpfchen und verschiedene Pinsel. Doch das wichtigste Utensil ist meine Staffelei. Obwohl es inzwischen Staffelleien mit vielfältigen Ablagen für Pinsel, Farbkästen, Becherhaltern, Sonnenschirmen u.a. gibt, bleibe ich eher ein Purist und bevorzuge eine ganz einfache Metallstaffelei. Ihr oberer Tragarm lässt sich für die Aquarellmalerei waagerecht stellen, worauf ich eine stabile Pappe lege, um eine waagerechte Arbeitsfläche für meinen Aquarellblock, Bleistift, Radiergummi, ein oder zwei Pinsel und mein Farbkasten zu schaffen. An den Tragarm hänge ich meinen Wassereimer und einen Mallappen.

Aquarellkurs beim Pfarrwitwenhaus in Groß Zicker 
© Frank Koebsch

An der Küste, wo das Wetter oft wechselhaft und windig ist, ist es wichtig,  dass die Staffelei einen festen Stand hat, nicht zu leicht ist und dem Wind wenig Angriffsfläche bietet. Meine Staffelei wiegt etwa 2,5 kg und ist schwerer als viele Feldstaffeleien aus Holz, was sie weniger anfällig für Wind macht. Außerdem besteht bei Metallstaffeleien nicht das Risiko, dass sie sich durch die Feuchtigkeit verziehen und sich nicht mehr zusammenschieben oder aufbauen, lassen, was bei Holzstaffeleien durchaus passieren kann.  Außerdem vermeide ich zusätzliche Ablagen und Sonnenschirme, um die Angriffsfläche für den Wind zu reduzieren.

Das Malen im Stehen an der Staffelei ist rückenschonend. Ich kann locker aus der Schulter skizzieren und die Farben mit dem Pinsel setzen. Gleichzeit bewege ich mich die gesamte Zeit beim Malen. Viele Plein Air Maler nutzen ähnliches Equipment und passen es ihren persönlichen Bedürfnissen an.

Die ideale Wahl für deinen Malort an der Ostsee

Wenn es darum geht, die beste Stelle für die Pleinairmalerei an der Ostsee zu finden, hat jeder seine persönlichen Vorlieben. Die Ostseeküste bietet eine Vielzahl von faszinierenden Motiven, von den Stränden von Kühlungsborn und Heiligendamm über den Darßer Weststrand bis hin zu Ahrenshoop und dem alten Strom von Warnemünde. Doch wenn Sie eine mehrtägige Malreise planen, empfehle ich immer wieder das Mönchgut im Südosten von Rügen.

Warum? Nun, das Mönchgut bietet eine Vielzahl von verschiedenen Landschaften und Motiven. Hier kannst du an weißen Sandstränden genauso malen, wie an urigen Steilküsten. Reetgedeckte Häuser in den kleinen Dörfern, die Bäderarchitektur, Fischerboote am Strand oder Kutter in den Häfen, hüglige Landschaften mit Buchenwäldern, Küsten mit bizarren Windflüchtern bieten sich als Motive an.

Malen am Strand vom Reddevitzer Höft © Frank Koebsch
Das Motiv im Visier
© Frank Koebsch
Steilküste am Reddevitzer Höft © Rügen Aquarell von Frank Koebsch

Doch neben der Motivauswahl ist auch wichtig, Malorte zu finden, die einen ausreichenden Schutz vor Wind bieten. Hier bietet Rügen und insbesondere das Mönchgut ideale Voraussetzungen. Mit seinen Hügeln, Wäldern, Steilküsten und der mäandernden Küste, findet man hier immer einen geschützten Ort zum Malen, egal aus welcher Richtung der Wind kommt.

Diese einzigartige Eigenschaft des Mönchsguts macht es zu einem beliebten Ziel für Malerinnen und Maler, die gerne „en plein air“ arbeiten. Auch ich verbringe aufgrund der Vorteile dieses Landstrichs immer wieder eine Woche im Frühling und Herbst auf dem Mönchgut.

Malen der Aussicht auf das Mönchgut in Göhren © Frank Koebsch
Skizze für ein Aquarell vom dem Landhaus Mönchgut in Middelhagen © Frank Koebsch
Ein Aquarell mit der Aussicht auf das Mönchgut © Frank Koebsch

Fazit

Die Pleinairmalerei an der Ostsee ist für mich eine Quelle der Inspiration. Durch die direkte Auseinandersetzung mit der Natur entstehen authentische und einzigartige Kunstwerke, die die Schönheit und Vielfalt der Küstenlandschaften einfangen Wenn ich dein Interesse für die Pleinairmalerei geweckt habe, begleitet mich doch auf einer meiner Malreisen nach Rügen oder besuche das Plein Air Festival „Malen an der Ostsee“ in Kühlungsborn. Es gibt nichts Schöneres, als gemeinsam mit anderen am Strand zu stehen, zu malen und sich über die Bilder auszutauschen. Probiere es einfach mal aus! 😉


Frank Koebsch lebt gemeinsam mit seiner Frau Hanka in Sanitz bei Rostock. Beide malen seit über 20 Jahren Aquarelle und stellen ihre Bilder regelmäßig aus. Ihre Aquarelle waren z.B. in Ausstellungen in Berlin, Bremen, Dresden, Hamburg, Kiel, Rostock und vielen weiteren Orten Mecklenburg – Vorpommerns zu sehen. Frank Koebsch arbeitet seit 2011 als freiberuflicher Künstler und Autor für verschiedene Zeitschriften. Seit 2017 ist er Ideengeber und Projektleiter des Plein Air Festivals „Malen an der Ostsee“ in Kühlungsborn.
Viele Ideen für die Motive finden die beiden bei ihren Ausflügen in die Natur und auf Reisen.

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