Thomas K. Müller und Sabine Korneli
INTERVIEW :: INSPIRATION
10 Jahre Sommerakademie Rügen – Ein Gespräch mit Sabine Korneli und Thomas K. Müller
Lesezeit: 7 Minuten
Vor neun Jahren haben wir im kukundo-Blog erstmals über die Sommerakademie für Kunst Rügen berichtet. Damals ging es um den Anfang, die Idee und den Aufbau des Formats.
Inzwischen blickt die Sommerakademie auf zehn Jahre zurück. Grund genug, noch einmal nachzufragen: Was hat sich entwickelt? Was ist geblieben? Und was trägt das Projekt bis heute?
Wir haben Sabine Korneli und Thomas K. Müller, die beiden Köpfe hinter der Sommerakademie, um einen Rückblick gebeten.
kukundo: Herzlichen Glückwunsch zum 10-jährigen Bestehen der Sommerakademie für Kunst Rügen. Wenn du an das erste Jahr der Sommerakademie zurückdenkst: Welche Bilder oder Momente tauchen als Erstes vor deinem inneren Auge auf?
T.K.M.: Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne…
Alles war neu, die Ateliers, die Dozenten und die Teilnehmer, die Abläufe waren ungetestet. Thomas hatte einige Zeit bei der Sommerakademie in Bremen unterrichtet, so dass er schon einige Einblicke in das Format „Sommerakademie„ hatte, aber die eigene Veranstaltung mit der kompletten Verantwortung ist noch mal was anderes.
Vor allem, unser hauptsächliches Anliegen: würden die Teilnehmer zufrieden sein mit dem Kurs, dem Unterricht, mit dem gesamten Projekt?
kukundo: Wenn du auf zehn Jahre Sommerakademie zurückblickst: Was macht Dich heute besonders stolz?
T.K.M.: Genau das: das unsere Konzeption funktioniert hat. Das Wiederkommen der Teilnehmer ist für uns die Bestätigung für ein gelungenes Angebot. Bis zu achtmaliger Teilnahme – über Zweidrittel der Teilnehmer sind in einem Jahrgang bereits bei uns gewesen.
kukundo: Was hat sich seit dem ersten Jahr am stärksten verändert – organisatorisch oder inhaltlich?
Sabine Korneli: Wir haben in jedem Jahr viele Dinge verbessert. In enger Zusammenarbeit mit den Dozenten haben wir an den Inhalten der Kurse – dem künstlerischen Konzept gearbeitet, aber auch an der Qualität des sogenannten Rahmenprogramms – also der Abendveranstaltungen. Das Essensangebot wurde stärker auf die Bedürfnisse der Teilnehmer zugeschnitten – eignes frisches Obst und Gemüse aus dem Garten, Gerichte, die die Ernährungsweisen der Teilnehmer berücksichtigen.
Es hat sich gezeigt, dass eine Besonderheit „unserer“ Sommerakademie, die mit 45 Teilnehmern für 6 Kurse relativ klein ist, in der Begegnung der Leute neben den Kursen liegt. So haben wir Räume geschaffen für gemeinsame Zeit am Nachmittag, am Abend. Die Ateliers sind immer offen, sodass ein Austausch über den aktuellen Arbeitsstand jederzeit auch Kursübergreifend möglich ist.


kukundo: Momente oder Begegnungen sind dir besonders im Gedächtnis geblieben?
Sabine Korneli: Unser Dozent für das „ Kreative Schreiben“ Andreas Becker hat sich zwei Tage vor Beginn der Akademie krank melden müssen. Die ursprünglich vorgesehene Vertretung war nicht verfügbar. Nach dem ersten Schreck haben wir viel telefoniert und hatten nach wenigen Stunden nicht nur einen Ersatz, sondern drei Schriftsteller, die sich per Zoom verständigt hatten und ein kreatives Konzept entwickelten bei dem jeder einige Tage Kurs übernahm und auf den vorherigen Inhalten aufbauen konnte. Zum Schluss war das Feedback der Teilnehmer durchweg positiv.
kukundo: Welche Rolle spielt Rügen heute für Euch und für die Sommerakademie – nach zehn Jahren gemeinsamer Geschichte?
Sabine Korneli: Rügen ist definitiv unsere Heimat geworden.
T.K.M.: Für die Sommerakademie bildet die Insel Rügen und vornehmlich die Jasmunder Landschaft mit der Kreideküste und den Buchenwäldern, dem Sandstrand. den Rahmen und die Kulisse unserer Veranstaltung. Fast alle Kurse arbeiten draussen in der Natur – bei Fotografie, Zeichnen und Malerei wird sie zum künstlerischen Inhalt bzw. Motiv. Die Natur auf Rügen ist wichtiger Bestandteil des Erfolges unserer Veranstaltung. An freien Tagen bieten wir geführte Wanderungen, Erkundungstouren, Bootsfahrten u.ä. an.

kukundo: Wie hat sich die künstlerische Ausrichtung über die Jahre entwickelt?
Sabine Korneli: Die genaue künstlerische Ausrichtung der einzelnen Kurse liegt in der Verantwortung unserer Dozenten. Diese haben über die Jahre ihr Angebot immer wieder verbessert, bzw. an den Bedürfnissen der Teilnehmer ausgerichtet.
Klassische Themen wie z.B. Aktzeichnen nach Modell, Landschaftsmalerei, Stillleben und Fotografie in der Natur sind natürlich immer dabei.
Der Zusatzkurs Philosophieren und Wandern, ist konzeptionell noch geschärft worden, sodass die Teilnehmer im Vorfeld Themen einreichen und der Dozent Gedanken von Philosophen aus allen Zeiten der Menschheitsgeschichte, zu diesen Themen dann zur Grundlage der Veranstaltung macht. Dieser Kurs ist in seiner Ausrichtung scheinbar am Entferntesten vom Format Sommerakademie für Kunst. In der Praxis beschreiben die Teilnehmer aber genau das Gegenteil. Das Feedback ist eher, dass die Auseinandersetzung mit der Kunst dadurch verstärkt und vertieft wird.


kukundo: Welche Herausforderungen musstet ihr auf dem Weg meistern – und was habt Ihr daraus gelernt?
Sabine Korneli: Das Komplizierteste war mit Sicherheit eine Veranstaltung unter Corona – Bedingung durchzuführen. Allmorgendliches Testen, Masken, kleinere Gruppen, Abstände, permanentes Lüften etc. Mit Transparenz, offener Kommunikation und durch freundlichen Umgang aller, wurde es möglich, dass auch diese Sommerakademie gelang.
kukundo: Gab es etwas, das Euch in den vergangenen Jahren überrascht hat?
Sabine Korneli: Überrascht hat uns der solidarische Umgang miteinander: Auf Hinweis eines Teilnehmers haben wir die Kursgebühr plus eingeführt, das heißt, wer sich in einer komfortablen Einkommenssituation befindet, kann mehr zahlen und finanziert damit den ermässigten Preis bzw. die Differenz – finden wir toll.
kukundo: Was macht die Sommerakademie aus deiner Sicht besonders im Vergleich zu anderen Kunstakademien oder Workshops?
Sabine Korneli: Speziell ist bei uns eine sehr private Atmosphäre, die Arbeitsgruppen sind mit 6 max. 7 Teilnehmern vergleichsweise klein, daraus resultiert ein sehr individueller Unterricht. Es ist mehr Zeit für jeden einzelnen und seine persönliche, künstlerische Fragestellung. Vor allem bei unterschiedlichem Niveau, ist dies der Schlüssel zu einer guten Gruppenatmosphäre. Und natürlich die Abendveranstaltungen: Kino, Lesung, Theater; Musik und vor allem die „Ateliergespräche“- unsere Dozenten halten kleine, die Diskussion anregende Vorträge über Ihre aktuelle, künstlerische Arbeit.
kukundo: Wie hat sich die Community rund um die Akademie entwickelt und welche Rolle spielen die Teilnehmenden dabei?
T.K.M.: Viele Teilnehmer kommen wieder zu uns auf den Hof Uhleck. Aber es haben sich auch interessante Querverbindung entwickelt: Teilnehmer des Kurses „Kreatives Schreiben“ treffen sich übers Jahr mehrfach in Berlin. Die Kurse, die unsere Dozenten an anderen Orten geben, werden von unseren Teilnehmern besucht usw. Es ist ein großes Netzwerk entstanden bis in die Schweiz und nach Lichtenstein.


kukundo: Welche Wünsche oder Pläne habt ihr für die kommenden Jahre der Sommerakademie?
T.K.M.: Unsere Pläne für die Zukunft der Sommerakademie sind relativ einfach: Gesund bleiben und weitermachen. Die Kunst bzw. das künstlerische Arbeiten ist ein selbstwirksamer Faktor, eine Erfahrung die jeder machen sollte. Kreativität ist eine Frischzellenkur für das Gehirn, wir halten es für lebenswichtig, deshalb machen wir weiter, so lange wir können.
kukundo: Gibt es eine kleine Anekdote aus den vergangenen Jahren, die unbedingt zu einem Jubiläum gehört?
Sabine Korneli: Gretchen Klotz war eine Teilnehmerin in der Malerei, – unbemerkt, bis jemand uns flüsterte: dass sie die Frau von Rudi Dutschke ist. Darauf angesprochen, ob sie uns etwas aus ihrem Leben erzählen würde, war sie gern bereit. Daraufhin haben wir sofort das Abendprogramm geändert. Es wurde ein Abend lebendiger Geschichte. Sie hat viel erzählt und unsere Fragen zu der Zeit 1968 in Westberlin beantwortet. Hoch interessant!
kukundo: Was würdest du jemandem sagen, der überlegt, zum ersten Mal zur Sommerakademie Rügen zu kommen?
T.K.M.: Ich würde von den bereits aufgezählten Vorzügen unserer Akademie berichten und Mut zusprechen – vor allem Anfängern, denn Künstler sind immer und bleiben immer Anfänger.
Routine und Wiederholung sind nicht unsere Sache, was die Künstlerische Arbeit angeht.
kukundo: Vielen Dank für das Gespräch.
kukundo: Welche Herausforderungen musstet ihr auf dem Weg meistern – und was habt Ihr daraus gelernt?
Sabine Korneli: Das Komplizierteste war mit Sicherheit eine Veranstaltung unter Corona – Bedingung durchzuführen. Allmorgendliches Testen, Masken, kleinere Gruppen, Abstände, permanentes Lüften etc. Mit Transparenz, offener Kommunikation und durch freundlichen Umgang aller, wurde es möglich, dass auch diese Sommerakademie gelang.
kukundo: Gab es etwas, das Euch in den vergangenen Jahren überrascht hat?
Sabine Korneli: Überrascht hat uns der solidarische Umgang miteinander: Auf Hinweis eines Teilnehmers haben wir die Kursgebühr plus eingeführt, das heißt, wer sich in einer komfortablen Einkommenssituation befindet, kann mehr zahlen und finanziert damit den ermässigten Preis bzw. die Differenz – finden wir toll.
kukundo: Was macht die Sommerakademie aus deiner Sicht besonders im Vergleich zu anderen Kunstakademien oder Workshops?
Sabine Korneli: Speziell ist bei uns eine sehr private Atmosphäre, die Arbeitsgruppen sind mit 6 max. 7 Teilnehmern vergleichsweise klein, daraus resultiert ein sehr individueller Unterricht. Es ist mehr Zeit für jeden einzelnen und seine persönliche, künstlerische Fragestellung. Vor allem bei unterschiedlichem Niveau, ist dies der Schlüssel zu einer guten Gruppenatmosphäre. Und natürlich die Abendveranstaltungen: Kino, Lesung, Theater; Musik und vor allem die „Ateliergespräche“- unsere Dozenten halten kleine, die Diskussion anregende Vorträge über Ihre aktuelle, künstlerische Arbeit.
kukundo: Wie hat sich die Community rund um die Akademie entwickelt und welche Rolle spielen die Teilnehmenden dabei?
T.K.M.: Viele Teilnehmer kommen wieder zu uns auf den Hof Uhleck. Aber es haben sich auch interessante Querverbindung entwickelt: Teilnehmer des Kurses „Kreatives Schreiben“ treffen sich übers Jahr mehrfach in Berlin. Die Kurse, die unsere Dozenten an anderen Orten geben, werden von unseren Teilnehmern besucht usw. Es ist ein großes Netzwerk entstanden bis in die Schweiz und nach Lichtenstein.



Sabine Korneli, in Dresden geboren, ist studierte Theaterwissenschaftlerin und war nach Stationen an Theatern in Dresden und Berlin selbständig mit der Agentur Kulturmarketing Berlin tätig, die sie bis 2015 leitete.
Thomas K. Müller, gebürtiger Leipziger, studierte Bildhauerei an der Kunsthochschule Berlin Weißensee und arbeitete anschließend als freischaffender Bildhauer in Berlin. Er erhielt Lehraufträge und realisierte zahlreiche Projekte im öffentlichen Raum, darunter 2006 das Grabmal für Bundespräsident a. D. Johannes Rau in Berlin.
Seit 1997 sind beide ein Paar. 2015 zogen sie nach Rügen und gründeten den Hof Uhleck als Ort für Kunst, Inspiration und Erholung. Dort findet seit 2016 jährlich die Sommerakademie für Kunst Rügen statt.
Workshops der Sommerakademie für Kunst Rügen
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